Dass altgediente Spieler nach China oder in die USA wechseln, ist heutzutage nichts Neues mehr. Wenn ein Spieler aber erst 21 Jahre alt ist und von einem Weltclub wie dem SC Dahenfeld an ein US-College wechselt, ist das zumindest ein kleines Interview wert.
Das Social Media-Team des SC Dahenfeld (SCDSMT) ließ es sich also natürlich nicht nehmen, sich in einen Flieger in die Vereinigten Staaten zu setzen, um sich persönlich mit Tim Schiemer zu treffen. First Class, versteht sich. Nebenbei müssen wir noch erwähnen, dass wir die Eintrittspreise für die nächsten Partien wohl etwas anheben müssen, denn Hunger und vor allem Durst hatten wir natürlich auch. Und so ein 6-Sterne Hotel zahlt sich schließlich auch nicht von selbst.

Das Interview führen wir in einem Szenelokal in Madison, Wisconsin. Als wir hereinkommen, folgen wir einfach dem Teenie-Gekreische. Tim Schiemer sitzt an einem Tisch in der Mitte des Raumes, umringt von dutzenden Fans. Geduldig gibt er Autogramme, auch für zahlreiche Selfies ist der sympathische Deutsche zu haben. Als er uns sieht, bittet er um ein paar Minuten Ruhe, damit wir uns ungestört unterhalten können. Die Fangemeinde zieht widerwillig ab, speziell von den Girls ernten wir giftige Blicke.

SCDSMT:
Servus Tim,
vor ein paar Wochen hat es dich über den großen Teich gezogen.
Erklär uns doch bitte kurz, wie es dazu kam, wo du dich genau befindest und wie dein Alltag nun aussieht.

Tim Schiemer:
(nippt erst lässig an seinem Budweiser und setzt dann seine Sonnenbrille ab)
Servus,
zu allererst einmal freut es mich natürlich sehr, dass ihr mich extra in den USA für ein Interview besuchen kommt. Das ist mir eine große Ehre.
Ich befinde mich gerade in Madison, Wisconsin, das ist etwa 2 Stunden von Chicago entfernt. Hier studiere ich am Edgewood College für ein Semester. Wie kam es dazu? Ich wollte schon immer mal im Ausland studieren und als eine der Partnerhochschulen meiner Hochschule in Karlsruhe hat sich das natürlich angeboten, und da die Amerikaner Scouts auf der ganzen Welt haben, wurde ich auch sofort ins Fußball-Team berufen. Da sich so eine Chance nur einmal bietet, musste ich deshalb meinen Heimatclub für die Hinrunde verlassen. Ich hoffe allerdings, dass ich mit einem vernünftigen Einstand zur Rückrunde wieder von dem Mannschaft aufgenommen werde. (Anmerkung der Redaktion: da sind wir sehr zuversichtlich)

Zu meinem Alltag: Dieser besteht aus Vorlesungen, welche aber frühstens um 11 Uhr anfangen, worüber ich mich mal nicht beschweren will, recht vielen Projekten und Hausaufgaben und natürlich dem Fußball-Training. Am Wochenende bleibt aber auch noch genug Zeit für Ausflüge und diverse andere Aktivitäten.

SCDSMT:
Derzeit spielst du in der College Liga für die Edgewood Eagles und konntest kürzlich deinen ersten Scorerpunkt verbuchen. 
Wie läuft es für dein Team und für dich persönlich?

Tim Schiemer:
Genau, ich spiele aktuell für die Eagles in der Divison III. Das ist die unterste College-Liga. Die Ligen werden allerdings nicht wie bei uns nach Stärke bestimmt, sondern nach Größe der jeweiligen Universität bzw. des Colleges. Also auf- oder absteigen ist dort nicht möglich.
Für unser Team läuft es zur Zeit sehr gut. Der Wille und Kampfgeist ist absolut vorhanden. Das beste Beispiel ist dafür unser Captain, der sich bei unserem letzten Spiel die Schulter ausgekugelt hat. Nachdem diese dann direkt auf dem Platz wieder eingerenkt wurde, schoss er noch das Siegtor zum 4:3 in der Verlängerung. Aber auch der sportliche Erfolg ist bei uns momentan vorhanden. Mit 6 Siegen aus 8 Spielen stehen wir gut da und können es ins NCAA Tournament schaffen, was der Mannschaft letzte Saison leider nicht gelang.
Für mich persönlich läuft es aktuell auch gut, ich bin zwar kein Stammspieler, bekomme aber immer zwischen 30 und 45 Minuten Spielzeit.

SCDSMT:
Mal unter uns, wie oft ist es dir schon passiert, dass du "Football" gesagt hast?

Tim Schiemer:
(lacht) Am Anfang ist mir das ziemlich oft passiert, mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt. Ich verstehe allerdings nicht, warum man nicht wie jedes andere Land auch, einfach Football dazu sagen kann, aber die haben hier ja auch Inch, Meilen und Fahrenheit ...

SCDSMT:
Wie ist das Niveau der College Liga einzuschätzen? Lässt es sich mit irgendeiner Liga in Deutschland vergleichen?

Tim Schiemer:
In unserer Liga gibt es sicherlich einige Teams, die in der Kreisliga A sehr gut mithalten könnten, es gibt allerdings auch einige schlechte Team. Unser Team würde ich vom Niveau aktuell mit einer Mischung aus erster und zweiter Mannschaft des SCD vergleichen, wäre sicherlich mal eine Idee für ein Freundschaftsspiel.

SCDSMT:
Wie unterscheidet sich das Training eines Collegeteams zum SCD?
Wie oft hast du mit deinem Team Training, wie oft ein Spiel?

Tim Schiemer:
Das Warmlaufen ist bei uns etwas lockerer (grinst) und auch das traditionelle Eckle gibt es nur vor dem Spiel.
Ansonsten muss man natürlich sagen, hat das College durch die hohen Studiengebühren in den USA ganz andere Mittel zur Verfügung als der SCD. Für unseren 25-Mann-Kader stehen uns 8 Trainer zur Verfügung, wovon einer hauptberuflich tätig ist.
Training haben wir jeden Tag außer sonntags und Spiele sind jede Woche Samstag und Mittwoch. Jeden Montag haben wir zusätzlich noch eine Video-Analyse der letzten Spiele und Spiel-Analysen der kommenden Gegner. Alle Spiele werden auch online übertragen, vielleicht auch etwas für das Social Media Team des SC Dahenfeld.
(Anm. d. Red.: Unter www.edgewoodcollegeeagles.com könnt ihr das nächste Spiel der Eagles gegen die Lakeland University am 05.10.17 ab 01.45 Uhr live verfolgen. Gespräche mit dem Ortsvorsteher bezüglich eines Public Viewings vor dem Rathaus laufen bereits.)

SCDSMT:
Fussball ist in den USA ja nur eine Randsportart, während Football, Basketball etc. weitaus höher angesehen sind.
Hast du dich auch mal an einer anderen Sportart versucht? Verfolgst du auch die anderen Sportarten an deinem College?

Tim Schiemer:
Eine Randsportart ist Fußball auf alle Fälle noch, wobei der Sport immer mehr an Bedeutung gewinnt. An anderen Sportarten habe ich mich noch nicht versucht, da wäre man aber auch als Quereinsteiger relativ schnell am Ende. Die anderen Sportarten an unserem College vorfolge ich auch ein bisschen, leider hat unser College kein Football-Team. Aber dafür kann man hier die NFL sehr gut verfolgen und letzten Sonntag hatte ich auch die Chance, ein Spiel der Packers im Lambeau Field zu sehen. An dieser Stelle: Sorry, Effe!

SCDSMT:
Für den SC Dahenfeld läuft es derzeit ja ausgezeichnet. Willst du noch ein paar Worte an deine Kameraden richten?

Tim Schiemer:
Selbstverständlich verfolge ich euch auch hier in den USA und ich muss sagen: 6 Spiele, 6 Siege, besser geht es nicht. Top Start in die Saison. Richtig stark, Männer! Bitte so weiter machen, dann sollte das mit dem Aufstieg diese Saison klappen. 
Und an die Reserve: Da ihr jetzt schon in der Winterpause seid, gilt es trotzdem weiter ins Training kommen, damit wir aus der Rückrunde 9 Punkte mitnehmen können.

SCDSMT:
Tim, wir bedanken uns, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Leider müssen wir schon wieder los, wir haben einen Termin im Spa-Bereich unseres Hotels. Wir wünschen dir weiterhin viel Spass und Erfolg in Amerika und freuen uns bereits auf deinen Wiedereinstieg beim SCD. Hau rein!

Als wir das Lokal verlassen, begegnen uns wieder die Groupies, die das Interview über außerhalb gewartet haben. Wieder gibt es böse Blicke, welche wir aber nur amüsiert zur Kenntnis nehmen, als wir in unsere 20 Meter lange VIP-Stretchlimousine steigen und eine Flasche "Dom Pérignon White Gold" köpfen.